KnackBockBlog

The world shall perish not for lack of wonders, but for lack of wonder – JBS Haldane

The weirdest people in the world?

Ein Kommentar

Es gibt eine sehr interessante Veröffentlichung, die sich mit dem Effekt der Auswahl von Probanden/Stichproben bei Untersuchungen mit Menschen beschäftigt.
Konkret ist das Problem, das in der Mehrzahl der entsprechenden Untersuchungen aus Psychologie, Kognitions- und Wirtschaftswissenschaften (sicher sind noch mehr Disziplinen betroffen) die Probanden Studenten aus westlichen Ländern sind, letzlich meist ‚american undergraduates‘.

Wertet man zB. in Teildisziplinen der Psychologie entsprechende Studien in den Top-Journals aus, so fällt folgendes auf:

[…]96% of psychological samples come from countries with only 12% of the world’s population

Hier sollte jedem dass Problem bereits klar werden.

Sehr interessant sind beispielsweise die Ausführungen zur Müller-Lyer-Illusion, die vielen Leuten mit entsprechendem Studium begegnet sein dürfte. Untersucht man diese optische Täuschung nun an unsereins, ist man geneigt Rückschlüsse auf basale optische Verarbeitung/Wahrnehmung zu ziehen – in der Art von ‚das visuelle System integriert automatisch über die gesamte Fläche der Figur’… so oder ähnlich habe ich es auch mal gelernt. Man zieht also Rückschlüsse auf die Funktionsweise der visuellen Verarbeitung bei allen Menschen, weil man davon ausgeht dass der zu Grunde liegende Vorgang auf niedriger, also kognitiv/kulturell nicht beeinflussbarer Ebene stattfindet. Um das sicher behaupten zu können, müsste man eigentlich andere Kulturkreise auch untersuchen, was aber (aus zT naheliegenden Gründen) kaum passiert. Guckt man sich nun die ML-Illusion aber mal in anderen Kulturen an, so wird klar dass es sich für einige keinesfalls um eine Illusion handelt – für die ist immer offensichtlich, welche Linie länger ist!

Tatsächlich ist es so, das wir ‚weirdos‘ (Western, Educated, Industrialized, Rich, and Democratic) im Falle der ML-Illusion an einem Ende des Spektrums aller Menschen sind, während zB die San am anderen Ende sind – wir erliegen also einer für uns sehr starken Illusion, während für die San keinerlei Illusion besteht und diverse Kulturen sich zwischen den beiden Extremen befinden. Entsprechend sind die Schlüsse, die nur anhand der ‚weird-Stichprobe‘ gezogen wurden, sehr vorsichtig zu betrachten.

Eigentlich wollte ich diese Arbeit genauer unter die Lupe nehmen; zumal sie eine Vielzahl von Disziplinen betrifft und einige interessante Denkanstösse liefert (außerdem schlage ich sie für unser AG-Seminar vor, müsste mich also sowieso näher damit beschäftigen ;-)).
Jetzt ist mir heute aber dieser Beitrag bei scienceblogs.de untergekommen, so dass ich beschlossen habe es bei diesem kurzen Text zu belassen. Außerdem gibts noch reichlich andere interessante Arbeiten, die ich gerne vorstellen würde, und Zeit ist immer knapp.

p.s: Fehlt natürlich noch das komplette Zitat:
Henrich, J., Heine, S., & Norenzayan, A. (2010). The weirdest people in the world? Behavioral and Brain Sciences, 33 (2-3), 61-83 DOI: 10.1017/S0140525X0999152X

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Autor: knackbock

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Ein Kommentar zu “The weirdest people in the world?

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