KnackBockBlog

The world shall perish not for lack of wonders, but for lack of wonder – JBS Haldane

Was haben Loveparade und Weserstadion gemeinsam?

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Die Polizei Bremen vermeldet: „Der Panikforscher Prof. Dr. Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen hat den Auftrag, das Besucherverhalten sowie die Kommunikationsstrukturen und -abläufe im Stadion zu analysieren sowie die logistischen Bedingungen und baulichen Gegebenheiten zu untersuchen und Empfehlungen für eine verbesserte Sicherheitskonzeption für das Stadion zu geben.[…]“

Soweit – so uninteressant.
Interessant wird es, wenn man weiss, dass Herr Schreckenberg auch mit dem Sicherheitskonzept zur Loveparade 2010 in Duisburg in Verbindung gebracht wird. Zu lesen auf Wikipedia, der Eintrag beruft sich auf einen Artikel im ‚Der Westen‘ und ein Interview in der ‚Stuttgarter Zeitung‘.
Prof. Schreckenbergs eigenes Konzept endete offenbar an den Grenzen zum eigentlichen Gelände der Loveparade. Soweit ich das verstehe, stammt die Analyse zum eigentlichen Gelände von einer privaten Firma, der ‚Traffgo HT‘.
Dazu ein Zitat aus ‚Der Westen‘: „Der als Risikoforscher vorgestellte Michael Schreckenberg wird diese Analyse später begutachten und für inhaltlich korrekt beurteilen.“

Jetzt wird es noch interessanter: Die Traffgo ist, laut Pressemeldung des Technologiezentrums für Duisburg ‚Tectrum‘, eine „Ausgründung („Spin-off“) des Lehrstuhls „Physik von Transport und Verkehr“ der Universität Duisburg/Essen“.

Jetzt darf der interessierte Leser dreimal raten, wer denn Inhaber besagten Lehrstuhls ist; wer also wessen Analyse für inhaltlich korrekt beurteilt hat.

Es bleibt zumindest ein Gschmäckle, wie der Schwabe sagen würde…

Wie man hier lesen kann, basieren die Modelle Schreckenbergs zumindest anteilig auf ‚granularen Strömungsprozessen‘, d.h. darauf wie sich z.B. Getreidekörner verhalten, wenn sie durch ein Rohr strömen etc (wo da die kommerzielle Anwendung liegt und welche Bedeutung sie hat ist offensichtlich).

Ich persönlich fände es etwas problematisch, die selben Modelle bei Lebewesen anzuwenden, weil diese u.a. einen eigenen Willen haben und diesen auch mal ändern können – soll heissen, die Körner im Silorohr werden wohl nicht ihr Verhalten ändern, weil es ihnen auf halber Strecke zu dunkel und zu eng ist und dann plötzlich ihre Strömungsrichtung umkehren. Auch finde ich es merkwürdig, dass in der Arbeitsgruppe offenbar nur Physiker und Informatiker arbeiten (steht zumindest so auf der HP). Wenn man Modelle erstellt, aus denen sich Empfehlungen für Leib und Leben von vielen Menschen ableiten, so würde ich erwarten doch zumindest einen Wissenschaftler zu haben, der sich aus seiner studierten Disziplin heraus mit eben diesen Menschen bzw ihrem Verhalten befasst.

Natürlich weiss ich nicht, welche Eigenschaften tatsächlich in die jeweiligen Modelle eingeflossen sind. Allerdings weiss ich, dass zumindest zuletzt etwas gewaltig schief gelaufen ist.

Update 19.12.2010: Der Spiegel meldet, Herr Schreckenberg bestreite eine Beteiligung an der Loveparade. Ernsthafte Zusammenarbeit habe weder stattgefunden, noch sei sie vom Veranstalter erwünscht gewesen.

Autor: knackbock

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