KnackBockBlog

The world shall perish not for lack of wonders, but for lack of wonder – JBS Haldane

Arsen und Spitzenwissenschaft

Ein Kommentar

ResearchBlogging.orgAnfang des Monats hat die NASA mit einer Pressekonferenz über ‚ungewöhnliche Lebensformen‘ etwas Ausehen erregt. Konkret geht es um Bakterien, die in aussergewöhnlich lebensfeindlicher Umgebung wachsen und gedeihen, quasi ein Beleg für die Möglichkeit das Leben auch unter den Bedingungen auf anderen Planeten möglich sein soll.

Die Bakterien nutzen das hochgiftige Arsen als Ersatz für Phosphor, das normale Lebensformen wie wir u.a. anderem ins ‚Gerüst‘ der DNA einbauen – zumindest ist das die wichtigste Behauptung der beteiligten Wissenschaftler. Jedes bislang untersuchte Lebewesen baut Phosphor in seine DNA!

Hier ein Bild von Wikipedia:

Chemische Struktur der DNA von Madeleine Price Ball

Chemische Struktur der DNA von Madeleine Price Ball

Die zugrundeliegende Veröffentlichung (merke: immerhin gibt es hier zum Zeitpunkt der Presseaktivität schon eine) erschien bei Science. Also bei einer der Top-Zeitschriften überhaupt!

Hier gibt es einen kurzen, eher euphorischen Bericht über die Studie auf deutsch.

Nun formiert sich im Netz allerdings eine wachsende Anzahl von Kritikern. Offenbar gibt es einige sehr gravierende Kritikpunkte, die bei Leuten vom Fach Zweifel an Qualität und Richtigkeit der Studie aufkommen lassen. Da ich nicht vom Fach bin, nenne ich nur kurz drei:
– Die Wunder-Bakterien hatten offenbar Phosphor zur Verfügung. Es ist also schlicht naheliegend, dass dieser auch zum Aufbau der DNA genutzt wurde.
– Warum sollten die Bakterien eigentlich Arsen statt Phosphor benutzen? In ihrem natürlichen Lebensraum ist zwar die Arsen-Konzentration extrem hoch, die von Phosphor aber auch!
– Arsen und Phosphor sind chemisch zwar ähnlich, aber nicht gleich. Arsenverbindungen sollen aber im Wasser deutlich instabiler sein als Phosphorverbindungen. Bei der benutzen Methode zur Aufreinigung von DNA (Phenol-Extraktion) befindet sich diese aber für einige Zeit in wässriger Lösung, hinterher war die DNA jedoch nicht zerfallen.

Zwei interessante Blog-Kritiken finden sich bei Rosie Redfield (auch die nachfolgenden Einträge lesen) und bei WE, BEASTIES auf scienceblogs.com.

Allgemeinere Berichte gibts bei bei CBC News oder Slate.

Mal gucken wie sich das entwickelt…

Wolfe-Simon, F., Blum, J., Kulp, T., Gordon, G., Hoeft, S., Pett-Ridge, J., Stolz, J., Webb, S., Weber, P., Davies, P., Anbar, A., & Oremland, R. (2010). A Bacterium That Can Grow by Using Arsenic Instead of Phosphorus Science DOI: 10.1126/science.1197258

Autor: knackbock

Vielseitig

One thought on “Arsen und Spitzenwissenschaft

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