KnackBockBlog

The world shall perish not for lack of wonders, but for lack of wonder – JBS Haldane

Der listige Leguan

2 Kommentare

ResearchBlogging.orgOk, der Titel meines Posts ist dürftig. Aber das Thema ist super! Es gibt eine neue Studie zu Kognition bei Reptilien – eine immer noch extrem vernachlässigte und weitestgehend unterschätzte Gruppe. Ähnlich wie bei Amphibien gibt es noch sehr viele Vorurteile das Verhalten betreffend, letztlich läuft es immer auf Kategorien wie ’stereotypes Verhalten‘ oder ‚ausschließlich instinktgesteuert‘ hinaus.

Natürlich stimmt das nicht. Es gibt faszinierende Untersuchungen an Fischen, die bereits nahelegen dass spannende kognitive Leistungen keinesfalls den Säugern und Vögeln vorbehalten sind. Fische können z.B. anhand von Beobachtungen Rangordnungen erstellen (wenn B < C und C < D dann B < D), neuere Untersuchungen legen auch Werkzeuggebrauch nahe. Ebenfalls unbedingt lesenswert sind die Studien zu 'Ökonomie" der Putzerfische, da kann jeder Banker noch was über Kapitalismus lernen! Auch mit Zahlen (im weitesten Sinne) können Fische umgehen.

Zurück zu den Echsen und zu der neuen Studie. Die Protagonisten sind sechs kleine Echsen aus der Familie der Leguane, sogenannte Anolis (genauer: Anolis evermanni). Diese bekamen zunächst in der Gewöhnungsphase die Testapparatur in ihr Terrarium gestellt, so etwas wie eine kleine Plattform mit zwei Gruben. In einer der Gruben fand sich eine Belohnung, eine tote (= bewegungslose) Soldatenfliegenlarve. Als nächstes wird ein passender Deckel neben die belohnte Grube gelegt, der dann in der nächsten Stufe die Grube mit der Leckerei halb verschliesst.

Anolis Evermanni
A. evermanni. Bild von Blake Matheson via Flickr.

Die eigentliche Aufgabe entsteht, wenn der Deckel die Grube mit der Fliegenlarve komplett verschließt. Um an das Leckerli zu gelangen, muss der Anolis also den Deckel entfernen – ohne die Larve sehen zu können! Zusätzlich wurde ein zweiter, andersfarbiger Deckel eingeführt, der dann die zweite Grube verschloss. Außerdem wurde dafür gesorgt, dass es in beiden Gruben nach Fliegenlarve riecht. Vier von sechs Anolis meisterten diese Aufgaben, und selbst wenn sich unter beiden Deckeln eine Larve befand gingen sie zum ursprünglich gelernten. Die zwei gescheiterten Echsen schafften es nicht, den Deckel zu entfernen – ob das zwingend heisst, dass sie die Aufgabe nicht bewältigen könnten sei mal dahingestellt. Es besteht zumindest die Möglichkeit, das ihnen lediglich die motorischen Mittel fehlten.

Von den vier erfolgreichen Anolis meisterten zwei auch eine Umkehrung der Assoziation: Die Larven waren nun unter dem zweiten, ursprünglich nicht belohnten Deckel verborgen und die Tiere lernten, das sich die ursprüngliche Regel nun umgekehrt hatte!

Hier wird sehr deutlich, dass Echsen anderen Tieren in der Flexibilität des Verhaltens und in Lernfähigkeit um nichts nachstehen. Ältere Konzepte bzw. Reiz-Reaktions-Schemata ‚hallen‘ bei Reptilien und Amphibien noch nach, obwohl man derartige Konzepte bei anderen Gruppen längst aufgegeben hat.
Für die Lösung des ‚motorischen Problems‘ (das Entfernen des Deckels) zeigen sie unterschiedliche Strategien. Außerdem haben sie gezeigt, dass sie ein Hindernis entfernen können, wenn sie es für lohnenswert halten – ein völlig neuer Verhaltensansatz bei der Jagd dieser Echsen. Die Geschwindigkeit mit der dann gelernt wurde unter welchem Deckel das Futter ist, ist ebenfalls erstaunlich. Dazu kommt noch das ‚reversal learning‘, generell eine eher schwierige Aufgabe im Verhaltensversuch, auch bei Säugern.

Das Beste zum Schluß: Die Autoren der Studie betreiben einen Blog, und auf diesem finden sich auch Videos von den Versuchen. Man sieht ganz wunderbar, wie die Echsen unterschiedliche Strategien zum Entfernen der Deckel anwenden: Entweder er wird ins Maul genommen und beiseite gepackt, oder der Kopf hebelt das Hindernis aus dem Weg. Hier klicken!

Leal, M., & Powell, B. (2011). Behavioural flexibility and problem-solving in a tropical lizard Biology Letters DOI: 10.1098/rsbl.2011.0480

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Autor: knackbock

Vielseitig

2 Kommentare zu “Der listige Leguan

  1. Du hast Recht, viele Menschen denken Tiere seien dumm, ganz gleich was vor ihrer Nase sitzt, und sie denken vor allem, dass man ihnen das Futter auf dem Präsentierteller verabreichen müsste. Die „armen“ Tiere sollen es doch auch mal komfortabel haben, besonders in Zoos, das „Paradies“ eines jeglichen Tiers. Dass die dabei vollkommen verblöden und geistig degenerieren, darauf ist scheinbar noch niemand gekommen… Da muss man sich nicht wundern, wenn der Löwe dem Wärter gerne mal den Kopf abbeißen will. Ist das doch das einzigste, nach Frischfleisch riechende sich bewegende Objekt, dass man fangen könnte. Aber na ja, wer braucht schon Auslauf und die Suche nach Futter…!?!
    Genauso halten wir es aber auch mit unserer eigenen Art. Alte Menschen kommen ins Alten- oder Pflegeheim – das Essen fährt vor – und danach wird man zurück in den Aufenthaltsraum oder seine „Suite“ kutschiert und starrt voller Freude die weiße Wand an. Bei derart „animierender“ Umgebung ist es kein Wunder, dass Demenz vorprogrammiert ist… Trotzdem denken wir, das sei ideal für alte Menschen.
    Ich glaube, das ist mitunter auch einer der Gründe, warum man Reptilien nichts zutraut. Weil wir es als Mensch einfach haben wollen, können wir uns nicht vorstellen, dass irgendein anderes Tier es schwer haben möchte und aktiv nach seinem Futter sucht. Dabei vergessen wir aber völlig, dass den Reptilien ihr Futter nicht einfach so ins Maul fliegt. Die haben (leider) noch keinen Supermarkt, bei dem sie einfach ins Regal greifen müssen.
    Ich persönlich halte alle Lebewesen für sehr intelligent und mit ihren Fähigkeiten bestens für ihren Lebensraum ausgestattet. Warum sollte eine Eidechse nicht in der Lage sein ein Hinderniss weg zu schubsen? Schließlich wartet dahinter ein Festschmauß… 😉

    P.S.: Könntest du mir das Paper zuschicken, damit ich das auch lesen kann? Über den blöden Uni-Proxy komme ich da nicht ran… ;(

  2. Geht gleich raus… ist aber nur ein Scan.

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