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The world shall perish not for lack of wonders, but for lack of wonder – JBS Haldane

Kapitalisten: Schlimm, schlimmer, [Wissenschaftsverlag]?

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Beim Guardian gibt es gerade einen sehr treffende Artikel zum Themenbereich ‚wissenschaftliche Publikationen‘. George Monbiot erläutert wie enorm (und eigentlich unglaublich) die Profite der grossen Verlage sind, und wie gering (sprich: lächerlich) eigentlich ihre Eigenleistung. Ist ja kein Geheimnis: Die Autoren produzieren Daten, schreiben den Text, erstellen die Abbildungen und formatieren beides (nahezu) druckreif. Der oder die Reviewer arbeiten ehrenamtlich.

Der Artikel wartet mit einigen interessanten, leider nicht unbedingt beruhigenden Zahlen auf. Zum Beispiel Elsevier: 1998 wurde den immensen Profit-Margen von 40% ein baldiges Ende prophezeit. 2010 waren es immer noch 36%. Das damalige ‚Orakel‘ verwies auf die wachsenden Möglichkeiten der elektronischen Publikationsformen, diese würden die Monopole aufbrechen. Nichts dergleichen ist geschehen. Immer wieder wird Open-Access (OA) als ein möglicher Ausweg genannt, und aktuell versucht die Allianz deutscher Wissenschaftsorganisationen das Vorhaben wieder nach vorne zu bringen. Die von der Allianz veröffentlichten „Frequently asked Questions zu Open Access und Zweitveröffentlichungsrecht“ geben in weiten Teilen ähnliche Informationen wie der Artikel beim Guardian (und bieten einen guten Einstieg in die Begrifflichkeiten und Konzepte hinter Open Access).

Hier wird auch deutlich, wie geschickt die herrschenden Verlage sowohl die Möglichkeiten der elektronischen Verbreitung als auch die mögliche Bedrohung des Monopols durch Open Access bislang in ihrem Sinne gesteuert haben. Zweitveröffentlichungen durch die Autoren selber, also auf ihren Homepages oder in Repositorien (der sog. „Grüne Weg“ zum/im OA), sind stark verkompliziert und eingeschränkt worden. Wer es einfach trotzdem tut, bewegt sich wahrscheinlich zumindest in einer rechtlichen Grauzone. Wer das vermeiden will, muss entweder Verträge wälzen (und verstehen!), oder sich fachlichen Rat holen. Diese gewollten Hürden sind übrigens der Ansatzpunkt der aktuellen Initiative, die ein unabdingbares und klar strukturiertes Recht auf Zweitveröffentlichung fordert.

Echte, also vom Moment des Erscheinens an für alle Interessenten kostenfrei zugängliche OA-Publikationen sind immer noch in der Minderheit (dies ist übrigens der „Goldene Weg“). Zwar gibt es bedeutende Organe wie z.B. PLoS – die nicht unerheblichen Publikationsgebühren muss man aber auch erstmal aufbringen (als Hausnummer: so um die 3000 €). Nicht jedes Budget beeinhaltet ausreichende Publikationsmittel. Die Universitäten stellen mittlerweile z.T. entsprechende Publikationsfonds bereit, inwieweit das in Zeiten knapper Kassen ausreichend sein wird ist wohl fraglich. Nicht alle Universitäten haben solche Fonds, und interessant wäre auch inwieweit hier noch mehr Bürokratie aufgebaut wird.

Die herrschenden Verlage haben es geschafft ihre Interessen weiterhin zu schützen. Sie bieten hybride Publikationsmodelle an, die – innerhalb eines normalen, kostenpflichtigen Organs – den einzelnen Artikel OA-konform zugänglich zu machen. Nur: Abnehmer wie Bibliotheken bezahlen wohl eher nicht per Artikel, sondern pro Zeitschrift und Jahr. Der einzelne OA-Artikel wird also vermutlich doppelt bezahlt: Die Autoren bezahlen die OA-Publikationsgebühr für ihren Artikel, und die Uni-Bibliothek bezahlt nochmal für das Jahres-Abo der Zeitschrift. Die Verlage versichern natürlich, in den Abo-Kosten das OA-Aufkommen zu berücksichtigen. Ob sie das wirklich und in angemessener Weise freiwillig tun, darf jeder für sich selbst entscheiden (Hinweis: Springer ist z.B. in Besitz einer Heuschrecke, andere sind börsennotiert).

Guckst Du auch: Open Acces Informationsplattform

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Autor: knackbock

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2 Kommentare zu “Kapitalisten: Schlimm, schlimmer, [Wissenschaftsverlag]?

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