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The world shall perish not for lack of wonders, but for lack of wonder – JBS Haldane

Wadde-hadde-dude-da: Die Information hinter der Babysprache

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ResearchBlogging.orgBabysprache, Ammensprache, Mutterisch oder englisch ‚Motherese‘ – vielen Namen für die „Varietät einer Sprache, die bevorzugt gegenüber Säuglingen und Kleinkindern gebraucht wird“ (ja, einen eigenen Wiki-Eintrag gibts dafür auch). Je weniger man mit den kleinen Adressaten zu tun hat, desto merkwürdiger muten die Erwachsenen an, wenn sie plötzlich ‚in Zungen‘ sprechen, zumindest ging es mir immer so.

Ich dachte immer, die Hauptfunktion des (wie auch immer gearteten) Sprechens mit den Nachkommen ist das Erlernen der Sprache (und natürlich gibts noch eine soziale (Bindungs-)Komponente). Dem ist aber wohl nicht so: Offenbar ziehen die Kleinen aus der Ansprache in vielen Situationen bereits weitergehende Informationen, sie generalisieren über bestimmte Sachverhalte. Das zeigt sich, wenn man ein in der einschlägigen Forschung bekanntes Phänomen untersucht, nämlich den ‚A-not-B error‚ oder auch ‚perseverative search error‘. Der läuft im Prinzip so ab: Man versteckt ein interessantes Objekt (typischerweise ein Spielzeug) unter oder in einem von zwei Kartons. Und zwar diverse Male hintereinander immer in dem selben Karton, nennen wir ihn mal A. Die Versuchsperson (also der Säugling) holt sich jedes mal das Spielzeug aus A. So weit, so simpel… dann wird aber das Spielzeug unter B platziert (der B-Versuch). Und jetzt wird es interessant: Kinder im Alter zwischen 8 – 10 Monaten suchen trotzdem unter Karton A. Obwohl man das Objekt der Begierde direkt vor ihrer Nase unter Karton B versteckt hat!

Seit der Entwicklungspsychologe Jean Piaget dieses Phänomen beschrieben hat, rätselt man warum das so ist. Ich will jetzt gar nicht groß ausholen, welche Erklärungen man bis dato hatte. Man bringt oder brachte u.a. die Spiegelneuronen und Imitation damit in Verbindung, aber so richtig schlüssig war das alles nicht.

Und an dieser Stelle kommt die Babysprache ins Spiel. Versuche zu diesem Phänomen beinhalten nämlich immer eine anwesende Bezugsperson bzw den Experimentator, und diese „bespricht“ natürlich das Kind. Das würde nämlich sonst alles mögliche machen, aber wohl das wenigste im Sinne des Experiments. Und genau diese Kommunikation scheint es zu sein, aus der der Säugling (falsche) Schlüsse zieht. Lässt man nämlich diese Kommunikation weg, steigt die Anzahl der Erfolge im B-Versuch drastisch an! Und noch viel besser wird die Leistung der Säuglinge, wenn die Bezugsperson überhaupt nicht sichtbar ist.

Offenbar generalisieren die jungen Menschen also aus der Ansprache durch die Erwachsenen, etwa im Sinne von „Spielzeug immer unter A“. Das entbehrt auch nicht einer gewissen Logik: Der Erwachsene versucht üblicherweise, die Aufmerksamkeit des Kindes mit grossem kommunikativem Aufwand auf das Experiment zu richten und dort zu halten. Warum aber sollte seitens des Erwachsenen soviel kommuniziert werden, wenn es nicht einen wichtigen Sachverhalt abseits des offensichtlichen gäbe? Es scheint zudem plausibel, das dieser Generalisierungs-Mechanismus in der Mehrzahl der Situationen die Kinder beim Lernen eher weiter bringt.

Topal, J., Gergely, G., Miklosi, A., Erdohegyi, A., & Csibra, G. (2008). Infants‘ Perseverative Search Errors Are Induced by Pragmatic Misinterpretation Science, 321 (5897), 1831-1834 DOI: 10.1126/science.1161437

Siehe auch:
Thoughtful Animal: Natural Pedagogy
Natural pedagogy and A-not-B tasks

Autor: knackbock

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