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Totgeglaubte leben länger: Galapagos-Schildkröten wiederentdeckt?

4 Kommentare

ResearchBlogging.orgDer Galapogos-Archipel ist zu Recht weltbekannt. Flora und Fauna haben hier außergewöhnliche Modelle in Form und Verhalten hervorgebracht, die nebenbei bedeutenden Köpfen entscheidende Denkanstöße lieferten. Zu den Tiergruppen, von denen jede Insel eine eigene Art beherbergt(e), gehören auch die eindrucksvollen Riesenschildkröten der Gattung Chelonoidis.

Galapagos-Riesenschildkröte von Joseph A Ferris III

Galapagos-Riesenschildkröte von Joseph A Ferris III

Die Populationen der einzelnen Inselarten sind unterschiedlich schwer durch den Menschen geschädigt worden, insgesamt hat ihnen die Menschheit seit Entdeckung der Inseln ziemlich übel mitgespielt. Waren es zunächst die Seefahrer, die ganze Arten aufgegessen haben; so sind es heute eingeschleppte Pflanzen und Tiere die ihnen das Leben schwer machen.

Allerdings haben die Seefahrer damals (um 1800) auch regelmässig Schildkröten von einer Insel zur anderen verschleppt und so die geographischen Reproduktionsbarrieren zwischen den nahe verwandten Arten aufgehoben. So offenbar auch zwischen den Inseln Isabela und Floreana. Isabela ist die Heimat von C. becki, Floreana war die Heimat von C. elephantopus. Letztere gilt als ausgestorben. Bei genetischen Untersuchungen der C. becki-Population wurden vereinzelte C. becki x C. elephantopus-Hybride gefunden. Daraufhin wurde die gesamte Population ausgiebiger beprobt (geschätzte 20%), und die Genetik der Hybriden wurde genauer analysiert. Bei 84 der Hybriden konnte man anhand des Vergleichs mit C. elephantopus-DNA feststellen, das ein Elternteil eine reinerbige C. elephantopus sein musste. Da 15 von diesen 84 Hybriden unter 15 Jahre alt waren und beide Arten weit über 100 Jahre leben, besteht eine gewisse Chance, dass es noch einige C. elephantopus gibt. Vielleicht sogar genügend, um eine Erhaltungszucht beginnen zu können.

Nun darf man gespannt sein, ob die Vorhersage bezüglich des Überlebens von C. elephantopus eintreffen und die entsprechenden Exemplare gefunden werden. Neben der Bedeutung für Artenschutz und Vielfalt auch ein interessanter Testfall für die letztlich auf genetischen Wahrscheinlichkeiten basierenden Vorhersagen!

Garrick, R., Benavides, E., Russello, M., Gibbs, J., Poulakakis, N., Dion, K., Hyseni, C., Kajdacsi, B., Márquez, L., Bahan, S., Ciofi, C., Tapia, W., & Caccone, A. (2012). Genetic rediscovery of an ‘extinct’ Galápagos giant tortoise species Current Biology, 22 (1) DOI: 10.1016/j.cub.2011.12.004

Autor: knackbock

Vielseitig

4 thoughts on “Totgeglaubte leben länger: Galapagos-Schildkröten wiederentdeckt?

  1. Hallo!
    Aus der Schulbiologie weiß ich noch, dass unterschiedliche Arten keine zeugungsfähige Nachkommen zeugen können. Warum ist es denn dann von Bedeutung, dass die geographischen Barrieren aufgehoben worden sind? Müsste dann nicht einfach eine Art verdrängt werden? Würde mich über eine Antwort, was genau da passiert, sehr freuen!

  2. Moin!
    Es gibt verschiedene Artkonzepte, von denen letztlich keines 100%tig problemfrei ist. Das angesprochene biologische Artkonzept beruht eben darauf, das eine Art die Gruppe von Individuen bezeichnet, die fertile Nachkommen zeugen könnten. Da gibt es aber eben verschiedene Probleme, sehr plakativ ist das z.B. im Fall von Tiger und Löwen. Diese sind nach morphologischen/ethologischen Gesichtspunkten ganz offensichtlich verschiedene Arten, aber unter bestimmten Umständen können aus einer Paarung fertile Nachkommen hervorgehen. Folgte man also strikt dem biologischen Artbegriff, handelte es sich nur um eine einzige Art (was ganz offensichtlich Unsinn ist). Eine morphologische Unterscheidung greift hier wunderbar, scheitert aber in vielen anderen Fällen, vermutlich auch schon bei unseren Schildkröten. Zu denen gibt/gab es übrigens durchaus andere Meinungen als die oben vertretene, z.T. werden die Riesen-Schildkröten des Galapagos-Archipels als eine Art mit entsprechend vielen Unterarten geführt.
    Letztlich besteht das Problem darin, dass die natürliche Situation ein im Fluß befindlicher Prozess ist; und der lässt sich eben nicht vollständig in passende Einzelstücke gleicher „Größe“ (also die Arten) einteilen.

  3. Vor unserer Haustür gibt es übrigens noch ein besseres Beispiel für die Unzulänglichkeit eines rein biologischen Artbegriffs, und zwar bei den Grünfröschen. Wir haben drei „Arten“: Seefrosch, Wasserfrosch und Teichfrosch. Letzterer ist ein Hybride aus See- und Wasserfrosch, kann sich aber problemlos ohne seine „Elternarten“ vermehren!

  4. Ah, okay. Von der morphologischen Definition hatte ich noch nicht gehört. Danke für die Erklärung!🙂

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