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The world shall perish not for lack of wonders, but for lack of wonder – JBS Haldane

Invasionsabwehr in Australien: Angewandte Ökologie oder zuviel Simpsons gesehen?

2 Kommentare

ResearchBlogging.orgDavid Bowman ist Professor an der School for Plant Science der University of Tasmania. Und ein Fan der Simpsons. Das könnte man zumindest vermuten, liest man seinen Kommentar in Nature. Dort präsentiert er seine radikalen Vorschläge zur Lösung von Australiens ökologischen Problemen, und die erinnern stark an eine Simpsons-Folge, nämlich an „Bart brütet was aus„. Was Bart ausbrütet sind Echsen, die sich in der Folge rasch ausbreiten und eine Plage werden (und nebenbei die Tauben aus dem Stadtbild tilgen). Um dieser invasiven Art Herr zu werden, sollen in Springfield schließlich Gorillas ausgesetzt werden, die gelernt haben Schlangen zu fressen (die Schlangen fressen vorher die Echsen). Kommt der Winter, erfrieren die Gorillas und alles ist wieder im Lot. Soviel zur Problematik invasiver Neozoen in der Popkultur…

Tatsächlich hat Professor Bowman einen vergleichbar radikalen Vorschlag gemacht. Er möchte die an verschiedenen Punkten aus den Fugen geratenen Nahrungsnetze wieder stabilisieren und problematische Invasoren bekämpfen, und zwar durch angewandte Ökologie. Wobei man, je nach Standpunkt, auch sagen könnte, er hat aus den bisherigen Fehlern nichts gelernt. Vielleicht ist aber in Australien sowieso schon alles zu spät… aber ich greife vor.

Ein problematischer Invasor ist das ‚gamba grass‘, Andropogon gayanus. Ursprünglich als Weidegras eingeführt, wird es schnell zu gross für alle Känguruhs, und letztlich auch für Rindviecher. Außerdem entstehen durch dieses Gras Buschfeuer in höherer Intensität, an die die heimischen Gehölze nicht angepasst sind. Unter dem Einfluss dieser intensiveren Feuer wandeln sich bewaldete Gebiete zu Graslandschaften. In der Heimat von Andropogon gayanus gibt es selbstverständlich Tiere die es problemlos verspeisen. Zum Beispiel Elefanten. Und Nashörner. Und genau diese, so Bowman, solle man doch in Australien ansiedeln. Diese Art der Bekämpfung sei praktischer und billiger, außerdem helfe man so noch bedrohten Arten.

Er schlägt übrigens auch vor, die Nische der grossen Reptilienprädatoren wieder zu besetzen, und zwar um Schweine und Füchse zu bekämpfen. Was in diesem Fall ein Job für den Komodowaran ist.

Es stellt sich nun die Frage, wie man diese Idee nun bewerten soll: Radikal ist sie ohne Frage, das gibt Bowman auch selber zu. Sind sie aber praktikabel? Hat man aus den vielen, vielen anderen invasiven Arten nichts gelernt? Immerhin ist der Ideengeber vom Fach, sollte man meinen. Was mir aber zu denken gibt: Mit keinem Wort erwähnt er die Agakröte (Rhinella marina), und auch diese sollte ursprünglich per Nahrungsaufnahme Schädlinge kontrollieren. Da könnte man zumindest eine Einlassung zu den Unterschieden der trophischen Beziehungen zwischen den Kröten und ihrer Nahrung und den Dickhäutern und ihrer Nahrung erwarten. Oder anders gesagt: Warum soll mit den Elefanten gelingen, was mit der Kröte absolut schief gelaufen ist? Denn auch Elefanten fressen nicht ausschließlich Gras.

Bowman, D. (2012). Conservation: Bring elephants to Australia? Nature, 482 (7383), 30-30 DOI: 10.1038/482030a

Autor: knackbock

Vielseitig

2 thoughts on “Invasionsabwehr in Australien: Angewandte Ökologie oder zuviel Simpsons gesehen?

  1. Elefanten kann man im zweifelsfall leichter dezimieren, wenn’s schiefgeht. ^^

  2. Jo, zumindest sind sie leichter aufzuspüren als Agakröten. Allerdings haben sie auch ein erheblich größeres Potential ihren Lebensraum zu verändern, wie ich finde…

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