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The world shall perish not for lack of wonders, but for lack of wonder – JBS Haldane

Neue Zwerge aus Madagaskar

2 Kommentare

ResearchBlogging.orgMadagaskar ist für Chamäleon-Liebhaber ein Traum. Gut die Hälfte aller weltweit beschriebenen Arten kommt hier vor, und alle sind natürlich endemisch (d.h., es gibt sie nur hier). Jetzt sind weitere hinzugekommen, und zwar vier Zwerge aus der Gattung Brookesia. Einer davon, B. micra, kann getrost zu den kleinsten Amnioten der Welt gezählt werden: Adulte Männchen erreichen eine maximale Kopf-Rumpf-Länge von 16 mm!

Glaw F, Köhler J, Townsend TM, Vences M (2012) Rivaling the World's Smallest Reptiles: Discovery of Miniaturized and Microendemic New Species of Leaf Chameleons (Brookesia) from Northern Madagascar. PLoS ONE 7(2): e31314. doi:10.1371/journal.pone.0031314

Brookesia micra. Glaw F, Köhler J, Townsend TM, Vences M (2012) Rivaling the World's Smallest Reptiles: Discovery of Miniaturized and Microendemic New Species of Leaf Chameleons (Brookesia) from Northern Madagascar. PLoS ONE 7(2): e31314. doi:10.1371/journal.pone.0031314

Auch die anderen neuen Arten, B. tristis, B. confidens und B. desperata sind nicht gerade Riesen.

Die neuen Arten: (A) Männchen und (B) Weibchen von Brookesia tristis; (C) Männchen und (D) Weibchen von Brookesia confidens; (E) Männchen und (F) Weibchen von Brookesia micra; (G) Männchen und (H) Weibchen Brookesia desperata Quelle:doi:10.1371/journal.pone.0031314.g010

Die neuen Arten: (A) Männchen und (B) Weibchen von Brookesia tristis; (C) Männchen und (D) Weibchen von Brookesia confidens; (E) Männchen und (F) Weibchen von Brookesia micra; (G) Männchen und (H) Weibchen Brookesia desperata Quelle:doi:10.1371/journal.pone.0031314.g010

Ihre Namen wurden übrigens mit Blick auf ihre Zukunftsaussichten gewählt:

The species epithet is an adjective derived from the Latin “tristis” meaning “doleful”, “sad”, “sorrowful”, and refers to the fact that the entire known range of this species (Montagne des Français) suffers from severe deforestation and habitat destruction despite recently being declared as a nature reserve.

Ähnlich sieht es für B.desperata aus, nur für B. confidens blicken die Forscher eher zuversichtlich in die Zukunft:

The species epithet is an adjective derived from the Latin “confidens” meaning “confident”, “trusting”. The known range of the species is supposedly a well protected nature reserve with apparently limited habitat destruction. Furthermore, this area might benefit from natural protection by the tsingy limestone formations which are difficult to access, thus giving hope for the species‘ survival.

Neben molekularen Methoden (Gene aus Kern und Mitochondrien) haben die Taxonomen auch morphologische und morphometrische Merkmale herangezogen. Eine Besonderheit der Schuppenkriechtiere (Squamata) sind die paarigen Kopulationsorgane, die Hemipenes (natürlich bei den Männchen, bei den Weibchen finden sich analog Hemiclitores). Die Hemipenes werden oft zur taxonomischen Einordnung herangezogen, da sie auch bei sehr ähnlichen Arten eine eindeutige, artspezifische Form haben, oftmals mit bizarr anmutenden Haken und Papillen (der Fachmann spricht tatsächlich von ‚Ornamenten‘). Aus diesem Grund werden die Penes auch vor der Konservierung der Belegexemplare ausgestülpt.

Hemipenes aus der Brookesia minima Gruppe. Quelle:doi:10.1371/journal.pone.0031314.g006

Hemipenes aus der Brookesia minima Gruppe. Quelle:doi:10.1371/journal.pone.0031314.g006

Entsprechend gibt es bei den Charakteristika der neuen Arten auch einen Abschnitt ‚Genitalmorphologie‘. Der liest sich im Fall von B. micra so:

Genital morphology.— Everted hemipenes of this species are available for three specimens (holotype ZSM 2181/2007, paratypes ZSM 2183/2007, ZSM 2185/2007). Each hemipenis is an elongated, relatively wide tubular structure. Apex and truncus are devoid of any ornaments. In the holotype, hemipenis length is 2.4 mm and maximum hemipenis width is 0.9 mm. When fully everted, the most characteristic feature is the apex which is a flat surface distally forming a symmetrical comb of six large, rounded papillae, of which the two inner ones are largest, followed by the two intermediate ones, whereas the outer ones are merely two slightly elevated knobs, recognizable only in fully everted organs. In general, this comb of papillae is not visible in hemipenes that are not fully everted, different from the spines of, e.g., B. peyrierasi that typically are also visible in incompletely everted organs. All three examined specimens have one hemipenis fully everted, the second one only partially everted. The organs are largely transparent, and the central retractor muscles can be easily seen through the outer hemipenial integument (Fig. 6).

Zu jeder neuen Artbeschreibung gehört eine notwendige, wenn auch eher unschöne Pflicht: Mindestens ein Individuum muss als Holotypus konserviert werden, und soll eine gewisse Variation der artlichen Merkmale dokumentiert werden sind weitere Paratypen notwendig.

Holotypen der neuen Brookesia. Quelle: doi:10.1371/journal.pone.0031314.g007

Holotypen der neuen Brookesia. Quelle: doi:10.1371/journal.pone.0031314.g007

Mir fällt jedesmal auf, wie schnell die eingeschnapsten Exemplare an Schönheit und Faszination einbüßen, und dafür müssen sie noch nicht mal Jahrzente konserviert sein. Dann sind sie meist farblos oder zeigen merkwürdige Färbungen, die mit dem lebenden Tier so gar nichts mehr gemein haben. Das trifft hier allerdings nicht zu, die gezeigten Holotypen sind recht frisch fotografiert. Trotzdem geben sie ein eher trauriges Bild ab…. lebend sind sie einfach am schönsten!

Glaw, F., Köhler, J., Townsend, T., & Vences, M. (2012). Rivaling the World’s Smallest Reptiles: Discovery of Miniaturized and Microendemic New Species of Leaf Chameleons (Brookesia) from Northern Madagascar PLoS ONE, 7 (2) DOI: 10.1371/journal.pone.0031314

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Autor: knackbock

Vielseitig

2 Kommentare zu “Neue Zwerge aus Madagaskar

    • Ja, das ist die typische Anti-Foto-Strategie. Und kamerascheu sind ganz viele Chams, das ist ganz komisch… meine haben keine Angst vor Menschen, aber sobald die Kamera kommt entdecken sie ihre schüchterne Seite.

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